Proktologie

Allgemein
Die Proktologie ist ein medizinisches Teilgebiet, das sich mit den Erkrankungen im Bereich des Enddarmes, Analkanals und des Schließmuskelapparates beschäftigt. Einen Mediziner, der sich mit der Proktologie beschäftigt, bezeichnet man als Proktologen.

Anatomie und Funktion
Der letzte Abschnitt des Verdauungskanals ist der Enddarm. Funktionell handelt es sich dabei um ein Reservoir, das man bei Gelegenheit entleeren kann. Der Analkanal gewährleistet mit dem inneren und äußeren Schließmuskel sowie den Haemorrhoidalpolstern die Kontinenz (Stuhl- und Windkontrolle). Dabei ist der innere Schließmuskel in Ruhe dauernd angespannt. Er wird nur bei der Darmentleerung entspannt und öffnet sich dann. Bis zum Analkanal mit dem Darmausgang ist der Darm von einer nicht empfindlichen Schleimhaut ausgekleidet, sodass an Darm und Enddarm kleinere Eingriffe schmerzfrei durchgeführt werden können (Gummibandligatur, Sklerosierungsbehandlung, Polypabtragung). Der Analkanal (After) wird von der hochsensiblen Afterhaut ausgekleidet. Erkrankungen in diesem Bereich sind deshalb in der Regel schmerzhaft. Die sehr empfindliche Afterhaut ermöglicht es, Winde von Stuhlgang zu unterscheiden, so dass Winde auch bei gefülltem Mastdarm entweichen können. Die Haemorrhoidalpolster sorgen für den Feinverschluss des Analkanals. Haemorrhoidalpol-ster hat jeder Mensch und nur wenn diese vergrößert sind, machen sie Beschwerden. Das bezeichnet man als Hämorrhoidalleiden. Typische Symptome sind Nässen, Wundsein, Juckreiz sowie Brennen beim Stuhlgang, gelegentlich auch Blutungen (meist hellrotes Blut). Am äußeren Rand des Afters befinden sich Venengeflechte in der Haut, in denen sich Blutgerinnsel bilden können. Diese werden oft auch fälschlicherweise als äußere Haemorrhoiden bezeichnet. Es handelt sich jedoch meist um harmlose, aber schmerzhafte Analvenenthrombosen (Blutgerinnsel in den Gefäßen). Häufig sieht man völlig harmlose Hautfalten im Afterbereich (Marisken).

Proktologische Untersuchung
Viele Menschen leiden unter Beschwerden des Enddarms. Frühzeitiges Erkennen und Behandlung durch den Dickdarm- bzw. Enddarmspezialisten, den Proktologen, kann Folgeschäden vermeiden. Aus falsch verstandener Scham wird häufig nicht über diese Erkrankungen gesprochen.

Bei der Untersuchung von Enddarmbeschwerden geht man so vor: Zunächst wird die Afterregion genau angeschaut und ggfs. abgetastet. Dann erfolgt die Austastung von Schließmuskel, Analkanal und Enddarm – sowie bei Männern auch der Prostata – mit dem Finger. Mit starren Endoskopen (Proktoskop, ca. 5 cm lang oder Rektoskop, ca. 20 cm lang) können Analkanal und Enddarm weiter untersucht werden. Diese Untersuchungen sind ungewohnt und auch sicher etwas unangenehm. Sie sind aber nicht gefährlich und verursachen keine wesentlichen Schmerzen.

Typische proktologische Erkrankungen

  • Stuhlinkontinenz – Undichtigkeit des Analkanals; Probleme, den Stuhl zu halten
  • Hämorrhoiden – krampfaderartige Erweiterungen der Gefäße des Haemorrhoidalpol-sters im Übergang vom Enddarm zum Analkanal
  • Analfissur – schmerzhafter Einriss in der Afterhaut
  • Abszesse in der Analregion
  • Analfistel – Eitergang, der sich in den Darm oder zur Haut hin mit eitrigem Sekret entleert
  • Analvenenthrombose – Blutgerinnsel in den äußeren Venen des Afters, meist stark schmerzhafte kleine Knoten
  • Marisken – Hautlappen am After
  • Analekzem – das ist ein analer Hautausschlag, meist mit Juckreiz
  • Analkarzinom, Rektumkarzinom
  • Condylomata acuminata (Feigwarzen)
  • chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED)

Generelle Hinweise zur Analhygiene
Die Haut am Darmausgang ist empfindlich und reagiert oft mit Rötung, Juckreiz und Schmerzen auf äußere Reize. Deshalb ist bei Irritationen am Darmausgang folgendes wichtig:

Reinigung nur mit Wasser. Es sollten keinerlei Seifen, Duschgels oder andere Körperwaschmittel verwendet werden. Die alleinige Reinigung mit Wasser (z.B. Abduschen) ist völlig ausreichend. Nach dem Stuhlgang sollte ausschließlich weiches Toilettenpapier ohne jede Zusatzstoffe verwandt werden. Alles andere, seien es Feuchttücher, parfümiertes Toilettenpapier oder anderes reizt nur die Analhaut und schadet.

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